Elektro Schäffler

Elektro Schäffler nach der Wiedereröffnung im Mai 2021
Elektro-Fachgeschäft: Haushaltsgeräte, Leuchten und Lampen, Elektroinstallationen jeder Art, Reparaturen von Elektrogeräten, Lampen etc.

Ladenstraße Süd

Öffnungszeiten

|| Kein Covid 19 Test notwendig ||
|| Seit 6. Mai 2021 im neuen Laden: ||
Mo–Fr → 9.00 – 18.00 Uhr
Sa → 9.00 – 13.30 Uhr

Kontakt

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80 Jahre Elektro Schäffler – Neueröffnung zum Firmenjubiläum

Von Liebe, Leuchten und Küchenmixern. Eine Geschichte, die elektrisiert.

Als sich Verena Sadowski und Bernd Charnow im Sommer 1986 auf einer Ferienfreizeit für Zehlendorfer Kinder in Siegen kennenlernten, studierten beide für das Lehramt an der Freien Universität Berlin: Verena Grundschulpädagogik, mit Hauptfach Politik, Bernd hatte Mathematik und Sport als Studienfächer gewählt. Bei den Ferienfreizeitreisen des Bezirks arbeiteten beide als Betreuer, um sich ein bisschen Geld fürs Studium dazu zu verdienen. Bald verliebten sie sich ineinander und Verena lernte die Familie ihres Freundes und den Elektrobetrieb der Charnows in der Ladenstraße kennen. Außer den Eltern Doris und Manfred Charnow, arbeitete auch Bernds Schwester Cornelia, gelernte Einzelhandelskauffrau, im elterlichen Betrieb mit. Sie war für das Büro und die Buchführung zuständig und auch im Verkauf tätig. Bald darauf verliebte sich auch Cornelia und folgte ihrer Liebe ins Schwabenland.

„Bevor ich als ewige Studentin ende und keinen Job finde…“, dachte sich Verena, schmiss ihr Studium und trat stattdessen die Nachfolge von Cornelia Charnow im Elektrobetrieb der Charnows an. Anders als heute, wo Lehrermangel herrscht, gab es in den 90er Jahren zu viele Uniabsolventen, die in den Schuldienst strebten. So entschloss sich auch Bernd Charnow umzusatteln und begann 1992 im elterlichen Betrieb seine Elektrikerausbildung. Vorher hatten sich die beiden schon als Paar zusammengetan und 1990 – noch als Studenten – geheiratet. Nach der Lehre besuchte Bernd die Meisterschule, am 11. März 2000 hatte er seinen Elektro-Meisterbrief in der Tasche.

Die 80er und 90er: Shopping Malls, Media-Märke und Elektrogeräte für den schnellen Verschleiß

Bald darauf wurden die jungen Leute Mit-Gesellschafter in der von Doris und Manfred Charnow gegründeten Elektro GmbH. Das Geschäft boomte. Bis zu drei Verkäuferinnen standen in den 80- und 90er Jahre im Laden, um die täglich bis zu 130 Kundinnen und Kunden zu bedienen.
Gab es in den 60er Jahren noch zwei, drei Standard-Schreibtischlampen, ein, zwei verschiedene Toaster- oder Mixer-Typen, vervielfachte sich das Angebot an elektrischen Haushaltsgeräten in den 80ern, auch die Auswahl an Kleinteilen wie Glühbirnen oder Staubsaugerbeutel wurde immer größer. Waren technische Geräte bis dahin für die Ewigkeit gedacht und gemacht, produzierte die Industrie nun Geräte für den schnellen Verschleiß. Der Kunde sollte kaufen, je öfter und je mehr, desto besser…zumindest für die großen Hersteller, die in Billiglohnländern produzieren ließen und – begleitet durch aufwändige Werbekampagnen – immer wieder neue Produkte auf den Markt brachten.

Verena und Bernd Charnow erinnern sich noch gut daran, wie das Fernsehteam der damals legendären Sendung „Akte 24“, das über Schicksale und Skandale berichtete, einen Test in ihrem Geschäft durchführte: „Qualitäts-MarkenMixer aus dem Fachgeschäft gegen Billigmixer aus dem Elektronik-Markt“. Wie der Vergleich ausging, kann sich jeder denken…
Aufgrund des großen Warenangebotes wurde das Geschäft in der Ladenstraße 36 (bis zum Großbrand Nachbarschaftsladen und Galerie des Papageien-Vereins) nun zu klein. 1986/87 tauschten die Charnows ihr Ladengeschäft mit dem Schreibwarenladen in der Nr. 34 und nahmen den Laden Nr. 33, in dem Kurzwaren verkauft wurden, mit dazu.
Als der Saturn Media-Markt in Zehlendorf eröffnete, erwiesen sich die Befürchtungen, dass nun die Kunden abwandern würden, als unbegründet. Im Gegenteil: wegen der wenig fachmännischen Beratung im Saturn-Markt und wegen der Nähe zum Wohnort, gingen die Kundinnen doch lieber wieder in ihr Fachgeschäft in der Ladenstraße, weil sie schnell merkten, dass ihnen bei Elektro Schäffler aus dem Riesenangebot an Elektroartikeln nur das vom Elektromeisterbetrieb ausgesucht Beste angeboten wurde. Und weil sie schnell feststellten, dass Kleinteile wie Staubsaugerbeutel, Batterien oder Glühbirnen bei Elektro Schäffler preiswerter zu haben waren als im Elektronik-Markt.

Insgesamt ging die Kundenzahl im traditionellen Einzelhandel in den 90er Jahre aber zurück. Mehr und mehr Shopping Malls entstanden in den Stadtteilen der City. Im Umland wuchsen Outlet Center aus dem Boden, die dank Massenmotorisierung und Autobahnen problemlos angesteuert werden konnten, um die Lockvogel-Angebote im Kofferraum zu verladen.

Gab es bis Anfang der 90er Jahre beispielweise noch einen Optiker, einen Herrenausstatter und ein Geschäft für Damenmode in der Ladenstraße, musste aufgrund der übermächtigen Konkurrenz nun ein Fachgeschäft nach dem anderen schließen. Was nachkam war oft nur von kurzer Dauer: kleine Imbissbetriebe, Gemüsehändler oder Kunstgewerbe-Geschäfte versuchten ihr Glück auf den kleinen Ladenflächen in der denkmalgeschützten Ladenstraße. Bereits damals schlossen sich die Gewerbetreibenden zusammen, um etwas gegen den Niedergang des Nahversorgungszentrums zu unternehmen. Verena Charnow wurde die Sprecherin der Händlergemeinschaft. Als 2012 der Drogerie-Markt Schlecker, der eine große Fläche in der Ladenstraße angemietet hatte, Pleite ging, schien der Abstieg der Ladenstraße nicht mehr aufzuhalten.

Die Wiederentdeckung des Fachhandels. Umdenken – nicht nur wegen Corona

Dank der Initiative der Traditionsgeschäfte in der Ladenstraße und besorgter Anwohnerinnen, die ihre geliebte „Lala“ nicht verlieren wollten, wurden sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt. Mit Unterstützung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf und Wirtschafts-Fördermitteln der Europäischen Union, die regionale Entwicklung auf ihre Fahnen geschrieben hat, begann für die Ladenstraße und damit auch für das Traditionsgeschäft Elektro Schäffler eine neue Ära. „Zwar kommen täglich „nur“ noch 30 bis 60 Kunden in den Laden, vor Weihnachten auch mal 100 oder 110“, meint Verena Charnow, „aber sie kaufen mehr und anderes als damals, als viele nur wegen mal wegen Glühbirne im Laden vorbei schauten.“ Auch neue Kunden können Verena und Bernd Charnow in ihrem Laden bedienen. Die jungen Familien, die jetzt in die Wohnungen und Einfamilienhäuser der Waldsiedlung ziehen, lieben es, mit ihren Kindern durch die Ladenstraße zu bummeln oder sich mit Nachbarn und Freunden Donnerstags auf dem Wochenmarkt zu treffen – auch wenn sie, besonders in Corona Zeiten sicher das eine oder andere im Internet bestellen.

„Ein Umdenken hat stattgefunden, besonders auch in der Gruppe der 40- bis 60 jährigen“, stellt Verena Charnow fest. Kundinnen lernen die fachkundige Beratung und den persönlichen Kontakt wieder zu schätzen – besonders jetzt in Krisenzeiten. Ihre pädagogische Ausbildung käme ihr dabei sehr zugute, meint Verena Charnow schmunzelnd. Überwältigend war die Anteilnahme von Kund*innen und Nachbarn, als das Geschäft von Elektro Schäffler beim Großbrand im November letzten Jahres bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Für ihren Heimweg, der normalerweise 10 Minuten dauert – Charnows sind Zehlendorfer und wohnen seit jeher in der Nähe – braucht Verena Charnow jetzt 30 Minuten, weil sie unterwegs immer wieder Kunden trifft, die ihr und ihrem Mann Mut zusprechen und die sich jetzt freuen, dass es Elektro Schäffler ab 6. Mai 2021 mit einem neuen Geschäft wieder in der Ladenstraße geben wird. Das Entsetzen war groß, als die Charnows am Tag nach dem Brand vor den Trümmern ihrer Existenz standen: „Unser Lebensinhalt war plötzlich einfach weg“. Froh und glücklich sind die beiden Geschäftsinhaber, dass sie so schnell wieder ein neues Geschäft in der Ladenstraße Süd beziehen konnten. Traurig ist es allerdings, dass das Reisebüro – auch immerhin seit 70 Jahren in der Ladenstraße – wegen Corona seine Geschäftstätigkeit aufgeben musste. Auch wenn sich Charnows auf die Neueröffnung auf der Fläche des ehemaligen Reisebüros freuen, sehen sie doch mit Sorge in die Zukunft. Keiner kann wirklich sagen, wie sich die Pandemie entwickeln und wie sich Corona auf den Einzelhandel auswirken wird. Als Handwerksbetrieb, der auch während der Lockdowns weiter arbeiten konnte, hat Elektro Schäffler neben dem Laden ein zweites starkes Standbein. Bereits kurz nach dem Brand war Bernd Charnow schon wieder unterwegs, um in Zehlendorfer Häusern neue Leitungen zu verlegen, in Wannsee oder Charlottenburg das eine oder andere Küchengerät anzuschließen oder die Lieblingslampe wieder zum Leuchten zu bringen. Wenn die Baustelle größer ist, hat Bernd Charnow einen Helfer dabei. Seit seiner Gründung bis 2016 war der Elektrobetrieb immer auch Ausbildungsbetrieb. Für das Elektro-Handwerk motivierte junge Leute zu finden, wurde aber immer schwieriger. Wenn überhaupt wollen die jungen Leute „was mit Computern oder mit Feinelektronik machen“, berichtet Verena Charnow.

Seit die Erben des Erstinhabers Fritz Höft, den Elektrobetrieb in der Ladenstraße 1941 an Meta und Albert Schäffler verkauften, dessen Namen der Betrieb bis heute trägt, haben sich die Zeiten gewaltig geändert. Zwischen 1945 und 1948 okkupierten die amerikanischen Besatzungsmächte die Einkaufspassage für ihre Armee-Angehörigen, die Schäfflers mussten mit ihrem Geschäft in eine Garage an der Onkel Tom Straße ausweichen. Nach der Besatzung begann 1951 Schäffler Tochter Doris im Laden zu arbeiten und Manfred Charnow fing bei Elektro Schäffler seine Lehre an. Als Manfred 1971 seinen Meister hatte, übernahmen er und seine – inzwischen Ehefrau – Doris, geborene Schäffler den Betrieb.

Küchengeräte als Mangelware und die Havarie im Suezkanal

In der Nachkriegszeit bis hinein in die 70er Jahre gaben sich die Vertreter der Hersteller-Firmen noch die Klinke in die Hand und lockten die Geschäftsinhaber mit Präsenten, damit sie ihnen größere Mengen einer bestimmten Ware abnahmen. Die Vertreter der Industrie hatten Zeit für Beratungsgespräche, halfen beim Dekorieren der Schaufenster und finanzierten die Werbemaßnahmen der Händler mit. Auch diese Zeiten sind vorbei. Immer größere Konglomerate von Grossisten sind heute die Partner des Einzelhandels. Die Waren kommen aus der ganzen Welt. Ob zur Neueröffnung von Elektro Schäffler alle Waren, die Verena Charnow bestellt hat, rechtzeitig eintreffen, bleibt ungewiss. Küchengeräte sind inzwischen Mangelware, weil in der Pandemie viele wieder zuhause kochen. Und was auf dem havarierten Containerschiff im Suezkanal an bestellten Waren hängen geblieben ist, wird sich noch herausstellen….

Trotz allem überwiegt die Freude auf den Neuanfang: bei den vielen Stammkunden von Elektro Schäffler ebenso wie bei den Firmeninhabern Verena und Bernd Charnow selbst. Herzlichen Glückwunsch zum 80sten.

Zum 80-jährigen Firmenjubiläum hat Nachbar und Kunde Volker Heinrich aus dem Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung die Geschichte des Traditionsgeschäftes zu einem Video zusammengestellt, das ab Donnerstag, 6.5.2021 im Schaufenster von Elektro Schäffler in der Ladenstraße Süd zu sehen sein wird.

Screenshot der Slideshow zum Jubiläum 80 Jahre Elektro Schäffler (auf YouTube)
Lageplan Onkel Toms Ladenstraße

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